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Jahr: 1933-1960
Bemerkung:
ArtikelNr. 10061

 

E-Mail

Gauting 1933-1935: Schreiben von Therese Junkers, Dietl, SA Sturm etc. an einen Maler

Buch aus dem Nachlass eines Gautinger Malergeschäftes, 1934-1935. In das Buch schrieben Kunden ihre (allesamt) lobenden Urteile nach getaner Arbeit des Malers und seiner Angestellten. Dazu hinten diverse Briefe (oft 1960) und Zeitungsannoncen (1933) zum Unternehmen. Hervorzuheben sind 2 Schreiben der Witwe des Hugo Junkers, Therese Junkers, sowie Schreiben der Gautinger NSDAP-Ortsgruppe und des Gautinger SA-Sturms.

8°, Kunstledereinband, Schließe (Schlüssel fehlt), Papppschuber, ca. 50 unbedruckte Blatt (von denen ca. 20 beschrieben), dazu lose beiliegend ein Stapel Papier, meist Briefe.

Im Buche finden sich zahlreiche interessante Eintragungen:

Felix Brunner jun. vom Duo „Rodella Ruis & Artik“ lobt am 20.4.1934: „Herr Max Vogt-Vilseck hat durch Farbe aus unserem Häuschen ein wirkliches Künstlerheim gemacht.“ Beiliegend ein s-w-Abzug als Ansichtskarte, gezeigt das Duo neben Fahrrad oder Einrad.

Otto Arnold von der Gärtnerei Arnold, Ecke Wald/Römerstraße schreibt am 10.8.1934 über „Firmentafeln“ und „Malerarbeiten“, er lobt „Schrift“ und „geschmackvolle Farbwahl“ (mit Stempel).

Auch Ingenieur Hans Hahn (Römerstraße) ist am selben Tag (10.8.1934) des Lobes voll.

„Frau Hugo Junkers“ (d.i. Therese Junkers, geb. Bennhold, 1876-1950, Mutter von 12 (!) Kindern, die sie mit Hugo gezeugt hatte), Hindenburgstr.18 (heute Germeringerstr. 30), schreibt (undatiert, zwischen 10.8.1934 und 10.10.1935), dass Max „die Malerarbeiten an meinem Hause sowie an einer Anzahl Möbel … zu meiner ganzen Zufriedenheit ausgeführt“ hat. „Durch sein verständnisvolles Eingehen auf meine Anregungen kam ein gutes Zusammenarbeiten zustande“. [Die Gautinger Villa war 1923 von Bernhard Borst geplant worden. Das Ehepaar Junkers musste am 3.10.1933 Dessau verlassen und zog mit den verbleibenden 3 Kindern ins Ferienhaus in Bayerischzell. 1933 erwarb Sohn Klaus Junkers die Gautinger Villa. Erst am 17.12.1934 meldete sich Therese beim Einwohnermeldeamt als in Gauting lebend, Hugo indes am 1.2.1935, nur 2 Tage vor seinem Tode am 3.2.1935.]

Fabrikbesitzer Georg Dietl berichtet am 10.10.1935, dass Max „seit 3 Jahren … meine sämtlichen Maler- und Lackierarbeiten an Wohnhaus, Werkstätten, Möbel und Maschinen“ ausführe (mit Stempel).

Georg Demmel (Hangstraße) beschreibt am 18.10.1935 ganze 2 Seiten in feiner Handschrift und lobt die Arbeiten an seinem „Landhaus“.

Am Ende (des nur zu ca. 1/6 beschriebenen Buches) lobt ein Polizeioberst a.D. (dessen Schrift inkl. Unterschrift schwer lesbar ist) Max' Arbeiten am „von mir gemieteten Landhause“ in der Hindenburgstraße: „Die Farben des Hausanstrichs sind der Lage des Hauses und seiner Umgebung in glücklicher und geschmackvoller Weise angepasst.“


Beiliegend diverse Papiere:

Ausgeschnittene Zeitungsannoncen: „Unserer werten Kundschaft diene zur Kenntnis, daß ich am 1. Juni 1933 das Geschäft meines Vaters, Kunst- und Dekorationsmalerei, nun übernommen habe“, druckt Max, das Geschäftsname und Adresse lauten: „Kunst- und Dekorationsmalerei. Gauting, Kreuzstraße 191“. Darüber eine Annonce seines Vaters (der sich nur als „Kunstmaler“ bezeichnet), der ebenso von der Geschäftsübergabe berichtet. Vater und Sohn hießen Max und malten leidenschaftlich Gemälde. Von beiden sind Kunstwerke erhalten, meist Alpenszenen.

Auf Zeitungspapier montiert Marke nach Gemälde des Max, gezeigt der Ort wohl vom Bahnhofsberg aus, mit seinen 2 katholischen Kirchen. Dazu „schönstes Siedlungsgebiet im Würmtal, 20 Min von München, tägl. 70 Züge“.

Dazu ca. 10 maschinenschriftliche Briefe, es handelt sich um Dankesschreiben von Kunden, oft 1960, auch früher. Es schreiben u.a.:
Albrecht Fürst zu Castell Castell (im Dezember 1955 bedankt er sich für die Mitgestaltung wohl des (Bank-) Hauses „Hof Castell“ in Würzburg, Marktplatz 1; dazu Einladung zur Eröffnung) / Georg Dietl (dankt anl. der Betriebseinweihung wohl im November 1955) / Max Vogl (Betreiber einer „Leder-Fabrik“ in Mattighofen in Österreich, dankt 1938 für ein vom Kunstmaler gefertigtes Portrait des deutschen Reichskanzlers).

Dazu ca. weitere Schreiben: Der SA-Sturm 1/1 aus Gauting gestattet am 28.5.1934 dem Max die ehrenvolle Entlassung aus der SA („Ich ersuche, die Spiegel des Braunhemdes und Ihre Ausweispapiere umgehend auf der Geschäftsstelle des Sturmes abzuliefern“, mit Stempel, mit nicht gelaufenem aber mit Schreibmaschine beschriebenem Umschlag) / Abrechnung des Franz Hanfstaengel Verlages über Tantiemenabrechnung (1953, es geht um Ansichtskarten und Farbdrucke der Bilder „Feldkapelle“ und „Loisachtal“) / Therese Junkers dankt für Glückwünsche zum Jahreswechsel (am 2.1.1936 schreibt sie auf schwarzumrandeten Trauer-Papier, verschickt im schwarzumrandeten Umschlag: „Mit dem Bilde aus dem Würmtal haben Sie mir eine sehr grosse Freude gemacht.“)

Dazu ausgeschnittene Zeitungartikel, 1935-1939: Bericht über Stand anl. der „Kunst-, Handwerk- und Gewerbeaustellung in Gauting“ (wohl 1935) / Bericht über die Ausstellung aus anderer Zeitung (Würmgauzeitung?) / Bericht über Gauting (wohl erschienen in Münchner Zeitung um 1938, erwähnt ist der geplante Ausbau eines „Schießstandes mit SS-Heim“ in Stockdorf) / Bericht über „Ortsgruppentagung Gauting am 7. Januar 1939“, mit abgedrucktem Foto von „Kreisleiters Buchner während der Ansprache von Bürgermeister Nafziger .. bei der Eröffnung des Hitler-Jugend-Heims“. „HJ-Führer Schäffer und BDM-Führerin Meixner dankten...“ (wohl aus der Würmgauzeitung. Im Heim waren später die evangelische Grundschule und danach bis ca. 2024 die hiesige Polizeistation untergebracht).


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