Vivarium
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1940 |
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| ArtikelNr. |
10071 |
E-Mail
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SS Totenkopf Panzer-Jäger-Ersatz-Abteilung, Arolsen, 40 Fotos 1940
Fotoalbum, 4°, kartonierter Schnellhefter, eingeheftet 7 gelochte Blatt mit 40 in Klebeecken eingeschobenen s-w-Abzüge à ca. 6x9cm, dazu 3 AK. Die Bilder sind nicht mit Bildlegenden versehen, lediglich auf Blatt 4 findet sich eine handschr. Zuweisung „Unterführer[?]lehrgang 7.3.40-10.4.1940“. Die Abzüge hinten mit Stempel „Photo-Centrale Inh. Curt Küster, Arolsen, Hauptstr. 13“.
Gezeigt: AK „SS-Unterkunft Arolsen“ / 2x AK Fliegeraufnahme Schloss Arolsen / ausgeschn. Bild aus Druck „Photo-Zentrale Curt Küster, Arolsen, Hauptsr. 13 / Soldaten am Tisch, am 16. eines unbekannten Monats / Kaserne mit Fahrzeugen und 3.7cm-Pak und übenden Soldaten / am Schießstand / Portraits Hassinger als Sturmmann / LKW und Pak bei Manöver im Gelände und in Dorf mit Kindern / beim Feuern am tschechischen lMG „ZB vz 26“ / am Scherenfernrohr / beim Feuern des MG 34.
Dass H. später in Norwegen diente, belegt ein Buch mit handschriftlicher Widmung, das sich ebenso im Nachlass fand: Norwegen (Vlg. Mittet & Co., Oslo 1941, 4°, Okart., ca. 50 Seiten). Vorsatz: „Meinem lieben Freund und Kameraden Adolf Hassinger zur ewigen Erinnerung an die gemeinsam verlebte und nie zu vergessende Zeit in Vadsö, gewidmet von Deinem Freund Martin Schrader [?], in Finnmarken, am 7. März 1941.“
Ein beiliegendes Schriftstück der Reichsleitung der NSDAP und zugleich Dienststelle des Hassinger, das sich im Nachlass fand, datierend auf den 11.3.1940, nennt im Adressaten die hier gezeigte Truppe. Der Brief ist adressiert an „SS.-Mann Adolf Hassinger, II. (T) Pz.Abw. E.-Abt., Arolsen...“. Das Schreiben erwähnt „eine plötzliche Veränderung .. [der] dienstlichen Verhältnisse“ - vielleicht die Versetzung nach Norwegen).

Adolf Hassinger (1912-?). Konvolut aus dem Nachlass des Rechtsanwalts und ehemaligem NSDAP-Mitgliedes und Mitarbeiters des „Reichsamtes für Kommunalpolitik“ unter dem Münchner Oberbürgermeister 1933-1945, Karl Fiehler.
Das Konvolut entstammt einem Bücher- und Dokumentenbestand, der sich im Januar 2026 in einem Haus in Gauting bei München fand. Der Bestand gehörte einst einem illustren Paar: Dem NSDAP-Angehörigen Adolf Hassinger und seiner Gattin, der aus Kroatien stammenden Opernsängerin Georgine von Milinkovic (richtig Durda Milinkovic).
Kurios: Im September 2024 wurde bei einem in Windorf bei Passau beheimateten Auktionshaus ein weiterer Dokumentenbestand aus dem Nachlass Hassinger/Milinkovic verkauft. Anhand der im Januar 2026 noch im Internet vorhandenen Beschreibung und der Artikelfotos des Auktionshauses sowie der in Gauting 2026 gefundenen Archivalien, sowie frei zugänglicher Quellen im Internet lässt sich der Lebenslauf des Hassinger grob skizzieren.
Hassinger wurde am 7.9.1912 in Donauwörth geboren. Bald zog er mit den Eltern nach München, wo er seine gesamte Schulzeit verbrachte und diese 1931 mit dem Abitur abschloss. Anschließend studierte er Jura an der LMU München. 1932/33 verbrachte er ein Studienjahr im französischen Caen. Im Herbst 1934 machte er das Examen und wurde Referendar. 1936 erschien seine Dissertation, sie trug den Titel „Der ständische Gedanke im Reichsnährstand“. Hassinger trat der NSDAP bei, wann genau ist unklar. Ab ungewissem Zeitpunkt war er dann Mitarbeiter im in München angesiedelten „Reichsamt für Kommunalpolitik“ unter dem Münchner Oberbürgermeister 1933-1945 und „Reichsleiter“ Karl Fiehler. Im Juli 1939 wurde er dann vom „Reichsamt“ angestellt.
Von seiner Zeit als Soldat ist lediglich bekannt, dass er im Frühjahr 1940 in Arolsen bei der Waffen-SS ausgebildet wurde. Und dass er 1940 in Vadsö in Norwegen (wohl bei der im November 1940 gebildeten „Befehlsstelle der Waffen-SS Nord“ oder der „SS-Kampfgruppe Nord“) eingesetzt war, bis man ihn im November 1940 wieder zur alten Dienststelle „freisetzte“. Am 27.3.1941 wurde er in München als „Rottenführer der Reserve“ aus dem Wehr/SS-Dienst entlassen.
Die restliche Zeit bis Ende 1944 verbrachte er dann als Mitarbeiter des „Reichsamtes für Kommunalpolitik“. Was er dort genau tat, bleibt unklar, belegbar sind Artikel in der Zeitschrift „Die nationalsozialistische Gemeinde“ sowie die Teilnahme an etlichen Tagungen. Er weilte u.a. 1941 in Zagreb (privat?), 1943 (dienstlich) in Oldenburg und Wilhelmshaven, 1943 auf Tagungen in Leipzig und Olmütz, im Februar 1944 als „Reichsamtsleiter“ bei einer Tagung der Oberbürgermeister und Landeshauptmänner in Posen, im Juli 1944 (dienstlich) in Düsseldorf.
Auf den September 1944 datieren dann (in Hallein in Tirol aufgenommene) Photos, die Hassinger erneut in Waffen-SS-Uniform zeigen, er hat den Rang eines SS-Rottenführers und gehört der 1. Kompanie, SS Gebirgsjäger Ausbildungs- und Ersatz-Bataillon 6 an. Wo er damals eingesetzt war, ist unbekannt.
Was mit ihm bei Kriegsende geschah, ob der in Gefangenschaft kam, wie er entnazifiziert wurde – alles unbekannt. Ab spätestens 1948 war er denn als Rechtsanwalt in Lindau und später in München tätig. Ab wohl den 1960er-Jahren lebte er in Gauting bei München. Über das Privatleben des Mannes ist bekannt, dass er seit ca. 1940 mit der kroatischen Opernsängerin Georgine / Durda Milinkovic liiert und spätestens 1961 verheiratet war. Kinder hatte das Paar wohl nicht. Durda starb 1986 in Gauting, Adolfs Todesjahr ist unklar.
Im Haus fanden sich wie beschrieben im Januar 2026 auch etliche Bücher. Diese lagerten mit den Dokumenten auf dem Speicher in einer alten Kiste. Kurioserweise hatte es nach dem (wahrscheinlichen aber nicht gesicherten) Eigentümerpaar Hassinger-Milinkovic einen weiteren (unbekannten) Eigentümer des Hauses gegeben. Dieser hatte die Kiste auf dem Speicher schlicht unangetastet gelassen, weshalb erst Jahrzehnte nach dem Tode des Paares nun die Quellen ans Tageslicht traten.
Interessant ist, dass sich in dem Haus in Gauting auch etliche vor 1933 erschienene französischsprachige Bücher fanden, darunter eine französische Übersetzung von Erich Kästners „Fabian“ (Ed. Stock, 1932): Der Einband des Buches war entfernt worden, lediglich der Block erhalten. Offenbar hatte sich Hassinger nicht vom Buche trennen können, obwohl der „Fabian“ 1933 offiziell verbrannt und hernach indiziert war. Verschämt hatte er den auffälligen Einband vernichtet, den Band dennoch im Regal belassen. Lässt sich hier ein Kratzer im NS-Kostüm des Mannes ausmachen? War Hassinger vielleicht nicht so überzeugt von der „Bewegung“, wie man anhand seiner Karriere vermuten sollte?
Exkurs: Ebenso angestellt im Reichsamt für Kommunalpolitik war Karl Helmut Patutschnick. Dieser war 1911 in Schwalbach zur Welt gekommen und starb – 1981 in Gauting. 1982 widmeten ihm die „Mitteilungen aus der Anthroposophischen Arbeit in Deutschland“ einen Nachruf (Autoren Beckerath / Römer). 1939 war er Hauptgeschäftsführer des (in der Gabelsbergerstraße 41 in München untergebrachten) Hauptamts für Kommunalpolitik, nach dem Kriege arbeitete er als Wirtschaftsjurist. Im Winterhalbjahr 1933/34 war er als Student der Rechte Leiter des „Hauptamtes I für politische Erziehung“ der LMU München. Geheiratet hatte er eine Else John, deren gemeinsame Tochter Maren (geb. 4.8.1940) heiratete am 27.5.1972 in Buchendorf den Friedrich von Bismarck (1938-2001).
War Hassinger wegen Patutschnick nach Gauting gekommen?
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