Vivarium
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1940 |
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| ArtikelNr. |
10072 |
E-Mail
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Kattowitz 1940, Reichsarbeitstagung des Hauptamtes für Kommunalpolitik
Kartonierter Umschlag mit Aufdruck, 4°, inliegend ca. 15 gelochte Blatt zur Tagung.
- Schreiben der NSDAP Reichsleitung, Hauptamt für Kommunalpolitik, dat. 6.3.1940, signiert von Karl [wohl:] Patutschnick. „Ich … übersende Ihnen … Durchschrift eines Schreibens des Herrn Reichsleiters Karl Fiehler … sowie Tagesprogramm. …. Auf der Nachmittagskundgebung [werden wahrscheinlich] Strölin, Pagenkopf, Rassen-Günther, Bukow (Sudetenland) und Dr. Kerber sprechen... … Ausserdem wird noch Gauleiter Wagner das Wort ergreifen.“
- Durchschrift des Fiehler-Briefes (ohne dessen Signatur), mit Bitte, „den SS-Mann Adolf Hassinger … nach Katttowitz … zu beurlauben. … Es werden Reichsminister, Generalgouverneur Dr. Frank, Reichsinnenminister Dr. Frick, Gauleiter Wagner und anderene namhafte Persönlichkeiten das Wort ergreifen. ….“
- Rundschreiben G 12/1940 (ein Blatt, nicht komlett) des Hauptamt für Komm..., dat. 9.3.1940, mit Programm der Tagung. 14.3.1940, „ab 20 Uhr: Eintreffen der Tagungsteilnehmer in Kattowitz, zwangloses Beisammensein … in der Gaststätte „Jockel“, Haus der NSDAP, Nikolaistrasse, neben dem KdF.-Theater.“ 15.3.: Es sprechen vormittags Fiehler, Frank („Deutsche Gemeindeleistungen, polnische Gemeinden“) und Frick, nachmittags „Reichshauptstellenleiter Dr. K.H. Patutschnick“ und andere.
- Programm der Tagung (2 Blatt). Am letzten Tage (Sonntag 17.3.) „Rundfahrt mit Autobussen durch das wiedergewonnene bzw. neue oberschlesische Industriegebiet“. 9.00 Uhr: „Weiterfahrt nach Bendzin. Begrüsssung durch Kreisleiter Pg. Rademacher, Besichtigung des Ghettos. 10.15 Uhr: Weiterfahrt durch das Dombrowaer Kohlenrevier.......“
- Text des Oberbürgermeisters von Kattowitz, Dr. Tießler (4 Blatt) „Zur Begrüßung und zum Geleit“.
- 2 Blatt der NSDAP, „Gauleitung Schlesien, Gauamt für Kommunalpolitik“ mit Mitteilungen und Infformationen. „Für die Teilnehmer steht ….. das Dienstzimmer des Gauamtes ,,, zur Verfügung. Eine Schreibmaschinenkraft ist …. vorhanden. .....“
- kopierte Landkarte „Regierungsbezirk Kattowitz“ (mit Stempel „Reichstagung des Hauptamtes.....“, ein Blatt).
- kopierter Stadtplan (ebenso mit Stempel, ein Blatt). Die Karte kann erst 1939 entstanden sein, alle Straßennamen sind auf Deutsch. Interessanterweise gibt es zwar die Hindenburg- und die Ludendorffstraße, aber die Hitlerstraße fehlt.
- Heftchen „Wir waren treu, Kattowitz bekannte sich schon … 1921 mit 97% zum Deutschen Reich“ (8 Seiten mit Photos und einem Liedtext).
- Blatt mit montierten Erinnerungsstücken. Vorne: Rechnung „Hotel Monopol, Kattowitz“, für „Herrn Frank“ für 2 Tage Zimmer, dat. 17.3., aufmontiert „Biermarke der Stadt Katttowitz“ und „Eßkarte für einen Mittagstisch am … 15.3.1940“. Hinten: Speisekarten für Essen 15.3. und 16.3., „verabfolgt im Kasino der Sttadtverwaltung“.
- Blatt mit montierten Erinnerungsstücken. Vorne: Einladung und Programm Fest-Konzert. Hinten: Eisenbahn-Fahrkarte am 17.3. von Kochtowitz [Kattowitz]
nach Kohlfurt über Liegnitz.

Adolf Hassinger (1912-?). Konvolut aus dem Nachlass des Rechtsanwalts und ehemaligem NSDAP-Mitgliedes und Mitarbeiters des „Reichsamtes für Kommunalpolitik“ unter dem Münchner Oberbürgermeister 1933-1945, Karl Fiehler.
Das Konvolut entstammt einem Bücher- und Dokumentenbestand, der sich im Januar 2026 in einem Haus in Gauting bei München fand. Der Bestand gehörte einst einem illustren Paar: Dem NSDAP-Angehörigen Adolf Hassinger und seiner Gattin, der aus Kroatien stammenden Opernsängerin Georgine von Milinkovic (richtig Durda Milinkovic).
Kurios: Im September 2024 wurde bei einem in Windorf bei Passau beheimateten Auktionshaus ein weiterer Dokumentenbestand aus dem Nachlass Hassinger/Milinkovic verkauft. Anhand der im Januar 2026 noch im Internet vorhandenen Beschreibung und der Artikelfotos des Auktionshauses sowie der in Gauting 2026 gefundenen Archivalien, sowie frei zugänglicher Quellen im Internet lässt sich der Lebenslauf des Hassinger grob skizzieren.
Hassinger wurde am 7.9.1912 in Donauwörth geboren. Bald zog er mit den Eltern nach München, wo er seine gesamte Schulzeit verbrachte und diese 1931 mit dem Abitur abschloss. Anschließend studierte er Jura an der LMU München. 1932/33 verbrachte er ein Studienjahr im französischen Caen. Im Herbst 1934 machte er das Examen und wurde Referendar. 1936 erschien seine Dissertation, sie trug den Titel „Der ständische Gedanke im Reichsnährstand“. Hassinger trat der NSDAP bei, wann genau ist unklar. Ab ungewissem Zeitpunkt war er dann Mitarbeiter im in München angesiedelten „Reichsamt für Kommunalpolitik“ unter dem Münchner Oberbürgermeister 1933-1945 und „Reichsleiter“ Karl Fiehler. Im Juli 1939 wurde er dann vom „Reichsamt“ angestellt.
Von seiner Zeit als Soldat ist lediglich bekannt, dass er im Frühjahr 1940 in Arolsen bei der Waffen-SS ausgebildet wurde. Und dass er 1940 in Vadsö in Norwegen (wohl bei der im November 1940 gebildeten „Befehlsstelle der Waffen-SS Nord“ oder der „SS-Kampfgruppe Nord“) eingesetzt war, bis man ihn im November 1940 wieder zur alten Dienststelle „freisetzte“. Am 27.3.1941 wurde er in München als „Rottenführer der Reserve“ aus dem Wehr/SS-Dienst entlassen.
Die restliche Zeit bis Ende 1944 verbrachte er dann als Mitarbeiter des „Reichsamtes für Kommunalpolitik“. Was er dort genau tat, bleibt unklar, belegbar sind Artikel in der Zeitschrift „Die nationalsozialistische Gemeinde“ sowie die Teilnahme an etlichen Tagungen. Er weilte u.a. 1941 in Zagreb (privat?), 1943 (dienstlich) in Oldenburg und Wilhelmshaven, 1943 auf Tagungen in Leipzig und Olmütz, im Februar 1944 als „Reichsamtsleiter“ bei einer Tagung der Oberbürgermeister und Landeshauptmänner in Posen, im Juli 1944 (dienstlich) in Düsseldorf.
Auf den September 1944 datieren dann (in Hallein in Tirol aufgenommene) Photos, die Hassinger erneut in Waffen-SS-Uniform zeigen, er hat den Rang eines SS-Rottenführers und gehört der 1. Kompanie, SS Gebirgsjäger Ausbildungs- und Ersatz-Bataillon 6 an. Wo er damals eingesetzt war, ist unbekannt.
Was mit ihm bei Kriegsende geschah, ob der in Gefangenschaft kam, wie er entnazifiziert wurde – alles unbekannt. Ab spätestens 1948 war er denn als Rechtsanwalt in Lindau und später in München tätig. Ab wohl den 1960er-Jahren lebte er in Gauting bei München. Über das Privatleben des Mannes ist bekannt, dass er seit ca. 1940 mit der kroatischen Opernsängerin Georgine / Durda Milinkovic liiert und spätestens 1961 verheiratet war. Kinder hatte das Paar wohl nicht. Durda starb 1986 in Gauting, Adolfs Todesjahr ist unklar.
Im Haus fanden sich wie beschrieben im Januar 2026 auch etliche Bücher. Diese lagerten mit den Dokumenten auf dem Speicher in einer alten Kiste. Kurioserweise hatte es nach dem (wahrscheinlichen aber nicht gesicherten) Eigentümerpaar Hassinger-Milinkovic einen weiteren (unbekannten) Eigentümer des Hauses gegeben. Dieser hatte die Kiste auf dem Speicher schlicht unangetastet gelassen, weshalb erst Jahrzehnte nach dem Tode des Paares nun die Quellen ans Tageslicht traten.
Interessant ist, dass sich in dem Haus in Gauting auch etliche vor 1933 erschienene französischsprachige Bücher fanden, darunter eine französische Übersetzung von Erich Kästners „Fabian“ (Ed. Stock, 1932): Der Einband des Buches war entfernt worden, lediglich der Block erhalten. Offenbar hatte sich Hassinger nicht vom Buche trennen können, obwohl der „Fabian“ 1933 offiziell verbrannt und hernach indiziert war. Verschämt hatte er den auffälligen Einband vernichtet, den Band dennoch im Regal belassen. Lässt sich hier ein Kratzer im NS-Kostüm des Mannes ausmachen? War Hassinger vielleicht nicht so überzeugt von der „Bewegung“, wie man anhand seiner Karriere vermuten sollte?
Exkurs: Ebenso angestellt im Reichsamt für Kommunalpolitik war Karl Helmut Patutschnick. Dieser war 1911 in Schwalbach zur Welt gekommen und starb – 1981 in Gauting. 1982 widmeten ihm die „Mitteilungen aus der Anthroposophischen Arbeit in Deutschland“ einen Nachruf (Autoren Beckerath / Römer). 1939 war er Hauptgeschäftsführer des (in der Gabelsbergerstraße 41 in München untergebrachten) Hauptamts für Kommunalpolitik, nach dem Kriege arbeitete er als Wirtschaftsjurist. Im Winterhalbjahr 1933/34 war er als Student der Rechte Leiter des „Hauptamtes I für politische Erziehung“ der LMU München. Geheiratet hatte er eine Else John, deren gemeinsame Tochter Maren (geb. 4.8.1940) heiratete am 27.5.1972 in Buchendorf den Friedrich von Bismarck (1938-2001).
War Hassinger wegen Patutschnick nach Gauting gekommen?
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