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anthony-Hoboken.jog

Jahr: 1916
Bemerkung:
ArtikelNr. 10094

 

E-Mail

Anthony van Hoboken (1887-1983), 3 Briefe an Doktor Willy Baiersdorfer, 6-10 1916, Gauting. Dazu Visitenkarte u. Handzeichnung

3 Briefe ohne Umschlag, Visitenkarte, Handzeichnung. Die Stücke entstammen dem Nachlass eines Freundes des H., Willy Bayersdorf, Sohn des Adolf Baiersdorf.

Die Briefe sind ganz bemerkenswert: Dass der Schreiber kein Muttersprachler ist, merkt man nicht. Der bissige Humor der Schilderungen dagegen ist im Deutschland der Zeit so ungewöhnlich, dass man einen Ausländer als Autor durchaus vermutet!

16.4.: “Ernst Druffel ist in Persien, scheinbar auf stetem Zurückgehen vor den Türken. Mella hat ein paar Tage Urlaub, und infolgedessen war es am Sonntag in Gauting recht gemütlich. … Es wird Sie interessieren, dass Carola Lichtenstein in der Türkei als Rot-Kreuz-Schwester ist. Sie pflegt aber keine Verwundeten, sondern eine türkische Prinzessin sammt neugeborenem Kind....”
3.6.: “Sie wünschen einen genauen Bericht über das letzte Druffel-Unternehmen. So hören Sie: Im schönen Dorfe Gauting ging auf einmal die Idee um, dass den Soldaten nicht genug wohlgetan würde, und dass man, um dem abzuhelfen, ein Wohltätigkeitskonzert abhalte müssen. Die geistigen Urheber waren ein Ehepaar, Er, Herr Voigt-Filseck [richtig Vogt-Filseck], Heldentenor aus Gauting, Sie, Frau Voigt-Vilseck, berühmte Schriftstellerin aus Gauting [dies ein Irrtum]. Frau von Druffel wurde als kundige Fest-Mutter zugezogen. … Es war da noch ein Quartett, bestehens aus Starnberger Honoratioren und einem Münchner Violin- und .. isten.... Der Heldentenor hatte erst bekannt machen lassen, dass er indisponiert sei, dass er aber 'trotzdem' singen werde, und knödelte dann zwei Wagnerlieder heraus, dass man mit geschlossenen Augen den Eindruck hatte, er müsste einen blauroten Kopf haben. Er hat aber blos geschwitzt. ….”
Dazu: Visitenkarte des Hoboken, verso handschr.: “Wollte Ihnen herzliche Glückwünsche bringen, fand Sie aber leider nicht zu Hause. Herzlichst, Ihr Hoboken”.
Dazu: Bleistiftzeichnung, daneben handschr. (von B. geschrieben) “Gezeichnet von R.v.Hoboken bei … 26.VI.13 nach der Zauberflöte, die wir zusammen mit Frl. K... [?] u. Ellisen gehört hatten.”


Dass Hoboken bereits 1914 in Gauting aufgetreten war, zeigt sich hier.

Wikipedia (Stand 07-2026) schreibt:
“Anthony van Hoboken entstammte einer traditionsreichen, alteingesessenen und wohlhabenden Rotterdamer Kaufmanns-, Bankiers- und Reederfamilie. Sein ererbter Reichtum machte ihn zeitlebens finanziell unabhängig und ermöglichte ihm, ganz seinen Neigungen zu leben. Nach Abschluss der Schule studierte er von 1906 bis 1909 an der Technischen Hochschule in Delft. Sein eigentliches Interesse galt jedoch der Musik. Neben dem Ingenieurstudium erhielt er Unterricht in Klavierspiel und Komposition bei Anton B. H. Verhey.
1909 wechselte er an Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt am Main, wo er Harmonielehre bei Bernhard Sekles und Komposition bei Iwan Knorr studierte. Ab 1917 [dies scheint zweifelhaft; wohl deutlich früher] lebte er in München, wo er sich in der Nymphenburger Walhallastraße 1 eine Villa erbauen ließ, die er 1919 bezog. Er bewegte sich in Kreisen der Schwabinger Bohème, war mit Marietta di Monaco liiert und scharte Künstler wie die Maler Georg Schrimpf, Heinrich Maria Davringhausen, Rudolf Levy und den Schriftsteller Oskar Maria Graf um sich.”

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