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Jahr: um 1890
Bemerkung:
ArtikelNr. 10096

 

E-Mail

F.B. Bernays, Brief um 1890, Highland Illinois. Mona Lisa

Ein gefaltetes Blatt von 4 Seiten (wovon 3 Seiten beschrieben), kl.8°, undatiert. Mit Fleck (wohl von ehedem beiliegendem Vogelschwanz). Umschlag fehlt.

Der Brief richtet sich an Franz von Reber und Adolf Bayersdorfer, die Herausgeber des im Bruckmann Verlag (München) erscheinenden “Klassischer Bilderschatz”. Das Werk erschien in ca. 8 Bänden von ca. 1890 bis 1897.

Es schreibt F.B. Bernays aus “Highland, Madison County, Illinois, United States of North America”: “... Wir [die 3 in Highland lebenden Abonnenten der “Kunstschätze”] sind … alte Achtundvierziger und gewesene Münchner Studenten … [und bitten Sie] in einem der zunächst erscheinenden Hefte des Klassischen Bilderschatzes eine Copie der Monna Lisa [sic] … zu bringen. Wir brachten nämlich nach 1849 als politische Flüchtlinge geraume Zeit in Paris zu und verliebten uns in besagtes Porträt... Hier lege ich einen Schwanz von dem hier sehr häufigen Haubenhäher (Graculus virginius) bei ….. Als Gegenleistung würde ich nichts weiter verlangen, als..... Nun bitte ich ..., meine etwas undeutliche Handschrift mit meinem hohen Alter von 78 Jahren entschuldigen zu wollen....”

Der Brief hat sich im Nachlass des Herausgebers Bayersdorfer (1842-1901) erhalten. Er ist zitiert in Siegfried Käss' Buch über Bayersdorfer. Die erste Fassung des Buches erschien im Privatdruck unter dem Titel “Die Mappe unseres Großvaters, Adolf Bayersdorfer, seine Freunde, seine Zeit” (Stockdorf / Gauting um 1985), hier findet sich auch die Transkription des Textes (S. 304-306). 1987 publizierte dann der tuduv-Verlag München eine leicht gekürzte Buchhandelsausgabe unter dem Titel “Der heimliche Kaiser der Kunst, Adolf Bayersdorfer und seine Zeit” - in dem der Brief nicht abgedruckt ist.

Um wen es sich bei “F.B.” Bernays handelt, ist unklar. Möglicherweise handelt es sich um Jacob Francis Bernays (1818-1894), einen Bruder des Karl Ludwig (Charles Louis= Bernays (1815-1876). Deren aus Mainz stammenden jüdischen Eltern waren zum Christentum übergetreten und hatten die 8 Kinder katholisch taufen lassen. Karl Ludwig wurde getauft auf die Vornamen “Ferdinand Cölestin”, er hatte also mehrere Vornamen als die heute für ihn geläufigen. Was ein Hinweis auf das rätselhafte “B” unseres “F.B.” sein kann. Karl hatte um 1840 in München studiert und arbeitete später bei den u.a. von Karl Marx herausgegebenen “Deutsch-Französischen Jahrbüchern”. 1849 emigrierte er in die USA und lebte kurzzeitig in Highland, Illinois.
Jacob Francis wurde 76 Jahre alt – wenn er der Briefautor war, kannte er entweder sein Alter nicht genau, oder meine Quelle (das englische wikipedia “Bernays family”, Stand 8/2026) bringt ein falsches Geburtsjahr. Wohl zog er wie sein Bruder nach Highland / Illinois. Er kämpfte im Sezessionskrieg (1861-1865) und war Chirurg – wahrscheinlich hatte er in München Medizin studiert.

Die deutsch-jüdische Familie Bernays hatte zahlreiche bekannte Angehörige. Man findet Isaak (1792-1848), von 1821 bis 1849 Oberrabiner der aschkenasischen Gemeinde Hamburgs. Sein aus Mainz stammender Vater Jacob französisierte 1808 den Nachnamen Beer in Bernays. Der bedeutendste Bernays ist der in Wien geborene Edward (1891-1995), einer der Begründer der Theorie der modernen Öffentlichkeitsarbeit (die man früher “Propaganda” nannte, so auch der Titel seines 1928 publizierten Werkes).

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