Vivarium
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um 1944 |
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10102 |
E-Mail
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FFO, Flugfunk-Foschungsinstitut Oberpfaffenhofen e.V., heute DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt). Konvolut elektronische Bauteile um 1944
Konvolut von Elektrobauteilen aus Kunststoff oder Bakelit, Kabeln, Schildern. Der Bestand fand sich anlässlich einer Hausauflösung in einem kleinen Schrank auf einem Speicher. Wo sich der Schlüssel des Schrankes befand, war in der Familie unbekannt – wohl war das Möbel jahrzehntelang nicht benutzt worden. Nach gewaltsamer Öffnung entdeckte ich Schriftstücke aus der frühen Nachkriegszeit, einige Bücher, Werkzeuge - sowie ein Konvolut von Elektrobauteilen. Die Bauteile und Bücher sind hier zusammengefasst.
Zur Geschichte des Bestandes (die Angaben nach Quellen, die hier nicht vorliegen und in einem anderen Konvolut vereinigt sind: Das Konvolut gehörte dem Soldaten Wolfgang W., (22.4.1917 – ca. 1995). Wolfgang machte 1936 sein Abitur. Anschließend dient er beim RAD in Achern bei St. Blasien. 1937-1938 absolviert er seinen Wehrdienst beim Gebirgsjäger-Regiment 100 in Bad Reichenhall, 1938 ist er bei der Gebirgs-Nachrichten-Abteilung 54 in Oberammergau eingesetzt, im Oktober 1938 wird er entlassen. Vom 1.4. zum 17.7.1939 studiert er an der TH München, danach kommt er zur Heeresnachrichtenschule nach Halle. Im Oktober des Jahres wird er wieder zu seinem Truppenteil versetzt. Im Januar 1940 dient er in der Nachrichtenabteilung 230 in Wetzlar. Im September 1940 ist er Besatzungssoldat in Frankreich, wohl bei GJR 100. 1941 bekleidet er den Dienstrang eines Wachtmeisters. 1942 ist er Student an der TU Aachen, er gehört der Studentenkompanie an und scheint immer noch Soldat zu sein. Im Januar 1943 besteht er in Wetzlar eine Dolmetscherprüfung, im Februar ist er in Guingcamp in Frankreich, im März macht er (nun als Feldwebel) in Pisek (in Böhmen) eine Pionier-Ausbildung beim Pionier Ersatz Bataillon 17. Danach findet man ihn beim Pi Ers Btl. 9 in Aschaffenburg, wo er sicher bis November 1943 bleibt. Am 31.12.1943 bezahlt er seinen Beitrag zur DAF, er ist also Zivilist und Angestellter. Von 1944 bis Kriegsende lebt er in Gilching bei seiner Mutter und arbeitet im „Labor Richter Flugfunk München in Oberpfaffenhofen“ (so die Adressangabe einer Ansichtskarte). Ein Stempel im Arbeitsbuch dagegen lautet auf: „Flugfunk-Forschungsinstitut Oberpfaffenhofen“. Ein Heinz Richter (1909-1971) arbeitete tatsächlich bei der FFO. Laut Auskunft der Tochter des Wolfgang habe ihr Vater die Jahre 1944 und 1945 mehr auf Reisen und in Hotels verbracht als anderswo. Sein Chef (Richter?) habe ihn bevorzugt behandelt und oft auf Reisen geschickt, um Gerät und Material irgendwoher zu holen oder irgendwohin zu bringen.
Bald nach Kriegsende studierte Wolfgang wieder Elektrotechnik, diesmal in München. 1945 war er kurz Sekretär des Bürgermeisters von Gilching, die im Schrank gefundenen Dokumente waren Zeugnisse jener Zeit. Vermutlich hat er kurz vor Kriegsende brauchbares Elektromaterial vom FFO mitgenommen, um dieses bei späteren Arbeiten zu verwenden.
Zum FFO: Zeitgleich mit der Errichtung der Dornier Flugzeugwerft siedelt sich 1937 in Oberpfaffenhofen die juristisch selbstständige Forschungseinrichtung „Flugfunk Forschungsinstitut Oberpfaffenhofen e.V.” (FFO) an. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ändert sich die Aufgabenstellung des FFO. Die Forschungsarbeiten werden gestoppt, an ihre Stelle treten Entwicklungen kriegswichtiger Verfahren und Geräte, die bereits in kleinen Vorserien erstellt werden müssen. Die einrückenden Besatzungsmächte übernehmen das unversehrt gebliebene FFO. Bibliothek, Geräte, Maschinen, etc. werden in die USA bzw. zu Besatzungsdienststellen transportiert.
1954 wird am Flughafen München-Riem der frühere Verein FFO e. V. wieder ins Leben gerufen, ab 1956 arbeitet man wieder in Oberpfaffenhofen. 2024 nennt sich der Verein “DLR” (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) und beschäftigt in verschiedenen Standorten ca. 11.000 Personen!
Das Konvolut enthält:
- 4 Bücher: Hilfsbuch für Elektropraktiker, 2. Band, Starkstrom (Hachmeister & Thal Vlg., Leipzig 1941, 32. verm.u.verb.Aufl., Titelei mit Stempel “Bücherei des Flugfunk-Forschungsinstitutes Oberpfaffenhofen e.V.”, Vorsatz mit handschr. Besitzervermerk des Wolfgang, “cand.ing.” // Pabst, Kunststoff-Taschenbuch (Berlin 1942) // Humburg, Die synchrone Maschine (Göschen 1942) // Fuchs, Grundriß der Funktechnik (Oldenbourg 1944), mit Unterstreichungen, beiliegend Zeitungsartikel (ca. 1938-1943) zu Elektronenröhren und Radiotechnik (mit handschr. Besitzervermerk, als Wohnort ist Gilching und München angegeben, wohl zog Wolfgang bals nach 1945 in die Großstadt; beiliegend Zettel mit maschschr. Notizen, datiert Dezember 1945 und Januar 1946).
- Pappschachtel mit Feldpostpäckchen-Aufkleber, adressiert an “Feldwebel Wolfgang W..., Aschaffenburg, 1.Kp.Pi.Ers.Btl.9”. Inliegend: Blatt “Blitz-Zünder … Elektro-Gasanzünder”, rückseitig Quittungsstempel eines Elektrogeschäftes in München, wohl 1946 für “UCH11” / 4 lose Elektronenröhren Valvo, 2x handschr. “90% 17.9.48” / Röhre in Schächtelchen, Telefunken EA 111 / Pappschachtel mit kleinen Metallklammern für Kabel / Glasdia mit Darstellung einer Anzeige wohl für Funkgerät, erwähnt u.a. Graz, Böhmen, Frankfurt, Breslau, Bremen, München, Rom, Prag, Köln, Budapest, Frieslang, Kronstadt, Paris, Motala, Weichsel, Oslo / Namenschild aus Metall, “von Braun” (Wernher oder Magnus von Braun? - es ist indes nicht bekannt, dass ein “von Braun” am FFO eingesetzt war).
- Pappkiste mit handschr. Aufschrift “Skiwachs”, innen 3 Metallschachteln, inliegend Drähte, Teile wohl für Radioempfänger (2x Schauzeichen für Landeklappenanzeige?, Aufdruck “Siemens 19-6819B-2 [und … A2...], LGW Hakenfelde” = Luftfahrtgerätewerk Hakenfelde, wohl 1944), ES-Weiche, Stecker, Klammern etc., wohl alles 1944 / Kabel etc., 1x “Snap it E13393, made in USA” [1950er?, 1944 von erbeutetem Flugzeug?].
- 5 Bakelit-Kabelsteckteile auf Holz, einmal mit Drehregler, 1x handschr. “RI240” / ca. 10 Platten mit Löchern für Kabeleingänge / Metallteil “R I B Germany” / Spulen(?) in Bakelit-Platten, 1x “FE” / Drehregler in Kunststoff / Metall-Akkumulator? “Schiele-We..., Nornberg CLIZEN-Bosch, Pat.-Nr.19-58107 … 24 Volt” [die Lettern eingeritzt in kurioser Rechtschreibung, da von Sklavenarbeitern/innen, die des Deutschen nicht mächtig waren?] / Spule o.a.
- Metallgehäuse mit 3poligem Kabelanschluss, “B A C”, mit Draht in Pappschachtel mit handschr. Aufschrift “985”/ Bakelit-Metall-Klingel in Packpapier, handschriftlich “Bürohaus ...” / Lichtschalter, Steckdose.
- 2 zerfallende Pappschachteln, innen: diverse Bakelit- und Metallbauteile / Schlüssel / Metall-Täfelchen mit Einritzung “REIHER” [gemeint eine Me-262-Flugzeugfabrik bei Leonberg?].
- zerfallende Pappschachtel, inliegend: Kabel mit Schalter DVE / Metallschachteln der Zeit, inliegend Kleinteile / Bruchstück eines Taschenspiegels, verso “F. Widma […], Messerschmie[d] München” / diverse Kleinteile aus Bakelit, Metall, Gummi, Pappe / Rest eines Warenaufklebers, “DROSSEL” “HAKA”, 100 mA... / LIST Kabelanschlüsse / Bakelit-Schalter / Kabel und Schnüre / MF-Spule “34/2” / Spule “W20-42” / Bakelit-Kopfhörer “2000” Ohm.
- Kiste der Zeit, mit Büromaterial meist wohl der Zeit, inliegend aber auch ein Bleistiftspitzer aus Plastik (1960er?).
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