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Jahr: 1945
Bemerkung: 900
ArtikelNr. 10110

 

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Thomas Mann: Lotte in Weimar, Roman. Verbilligter Sonderdruck für deutsche Kriegsgefangene. Bücherreihe Neue Welt o.O. (manufactured in the USA) 1945. Mit Genehmigung des Bermann-Fischer Berlages. Kl.8°, Halbleinwandeinband, 450 Seiten. Fleckig, Stempel, Titelei etwas gelockert, Kantenabwetzungen, Besitzervermerk, sonst gut. Schmutztitel mit Stempel: “Property of Siegfried K…, Bought through Canteen at: Prisoner of War Camp, Alva Oklahoma, censored”. Beiliegend “Ausweiskarte, Mitglied der Deutschen Studentenschaft” des ehemaligen Eigners (Stempel 1935/36).

Siegfried K. kam am 18.1.1916 in Regensburg zur Welt und zog spätestens 1936 mit der Familie nach München. Er wird 1937 eingezogen und bleibt bis 1945 Soldat. Am 5.7.1940 ist er Leutnant, am 31.10.1942 Oberleutnant und 1944 Hauptmann. Wann genau er jeweils befördert wurde, bleibt unklar.
Er war eingesetzt im Westfeldzug, dann als Besatzungssoldat in Frankreich, ab 1941 in Rußland. 1944 nimmt er an der Adennenoffensive teil. Im Frühling 1945 lässt er sich (laut Angaben seiner Tochter) freiwillig mit seinen jungen Soldaten von US-amerikanischen Truppen gefangennehmen. Verwundet war er mindestens 2 mal.
Er gehörte (diversen?) Infanterie-Regimentern an, 1944 war er dann Hauptmann in der 167. Volksgrenadier-Division. (Angaben nach Auskunft der Familie und nach Angaben aus den Feldpostbriefen.)

Bemerkenswerterweise haben sich mündliche Aussagen des Siegfried über seine Kriegszeit erhalten, da er 1945 für kurze Zeit im US-Kriegsgefangenenlager Fort Hunt bei Washington untergebracht war. In diesem Lager wurden von 1942 bis 1945 über versteckte Mikrophone die Gespräche von ca. 3450 deutschen Soldaten abgehört und partiell schriftlich festgehalten. 102.000 Seiten Material (darunter 40.000 Seiten Abhörprotokolle) haben sich in den “National Archives” in Washington erhalten. Der deutsche Historiker Felix Römer hat erstmals diese Bestände analysiert und 2012 darüber ein Buch publiziert: “Kameraden, die Wehrmacht von innen”.
Am 30.4.1945 belauschte man Siegfrieds Gespräch mit einem unbekannten Kameraden. Römer zitiert ihn zweimal. S. 162: “Mir hat es doch Freude gemacht, erst eine Kompanie und dann ein Bataillon [zu führen] – und das viele Gute zu sehen, was doch da von Männern geweckt wird, die Aufopferung, das war alles an sich gut, aber … wofür? Die Kameradschaft, das war wirklich doch, [das] Ideale, doch positive. Ich habe zuletzt viele 18- und sogar 17-jährige Burschen gehabt. Prächtige Burschen, und da war es doch ein Jammer zu sehen, wie die zusammengemördert worden sind.” Und auf S. 447: “Die Ausmerzung der Juden, die ich insofern erkannte, als da ein Plakat angeschlagen war, 'Alle Juden haben sich bis dann und dann im Ostteil der Stadt einzufinden, von wo aus sie geschlossen übersiedelt werden.' Dann sind sie an uns vorübergezogen, Hals über Kopf, es sind so etwa 40.000 gewesen in Charkow. Und dann haben unter Aufsicht von uns, von Leute unseres Bataillons, Russen von Charkow riesige Löcher graben müssen. Also, der Zusammenhang war klar. Mehr habe ich nicht erfahren, aber es war mir klar... Und da hat es mir den ersten ganz schweren Schock gegeben. Das war '41.”

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