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Jahr: 1942
Bemerkung:
ArtikelNr. 2677

 

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Handgeschriebenes Tagebuch 1942. Mit Augenzeugenbericht: Bombenangriff auf München am 19. September.

Oldenbourg Vlg. (Hrsg): Kalender 1931. Ihren Geschäftsfreunden Zum Neuen Jahr. Die technischen Betriebe der Firma R. Oldenbourg. 4°, Leineneinband mit Prägung, 224 Seiten. Zustand: Einband fleckig, Goldschrift großteils abgeblättert, beide Deckel gelockert. Sonst gut, der Block schön erhalten.
Die Quelle enthält ein handgeschriebenes Post- und Tagebuch des Jahres 1942, verfasst von einer in München-Sendling wohnenden Familientochter. Die Jahreszahl „1931“ wurde auf der Titelseite durchgestrichen und handschriftlich durch „1942“ ersetzt. Das Buch gliedert sich folgend: 4 SS. Werbung und Postgebühren, dann 224 Seiten Tagebuch von 1942. Bei rund der Hälfte der Tage sind handschriftliche Eintragungen verzeichnet. Zumeist werden primär verschickten und erhaltenen Briefe oder Pakete, ab Frühling dann aber stark vermehrt Gegebenheiten des täglichen Lebens notiert. Starken Raum nimmt dabei die Krankheit der Eltern ein. Auf den letzten Seiten ein Telefonnummernverzeichnis, ein Rechnungsbuch, eine Seite „Sepp: Militärdienst“ (bis 20.11.1943 geführt. Sepp diente in der Etappe in Frankreich).
Es haben mehrere Menschen im Buch geschrieben, denn die Handschriften sind nicht immer die selben. Großteils jedoch scheint die Tochter des Hauses, Anny, das Buch geführt zu haben. Einige Zitate: 11.1.: „8Uhr abends ging wieder unser Sepp, trübes kaltes Wetter, trüb die Stimmung; nur die Hoffnung auf ein Wiedersehen ist unser Trost“. 25.4.: „... Willy brachte die Nachricht, daß sein Bruder Schorsch im Osten gafellan ist. I. wurde am 1.2.42 eingerückt u. bereits am 5.2. auf Transport nach Osten“. 3.7.: „Vater im Geschäft voll ausgelastet“. 4.7.: Vater u. Mutter im Krankenhaus ...“. Am 19.9. ein mehr als eine Seite ausmachender Augenzeugenbericht vom Luftangriff der Alliierten.
Das Buch ist eine kleine, aber schöne und einzigartige Quelle zur Geschichte der Stadt München im Zweiten Weltkrieg. Schade nur, daß der Nachname der Familie sich beim Lesen nicht offenbart.

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